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Spaß an Pferd und Reiten

Man ist so alt, wie man sich fühlt

Warum werden hoch geforderte Pferde meist bei guter Gesundheit sehr alt?

Dieser Artikel wurde uns freundlicher Weise von www.iwest.de zur Verfügung gestellt.

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Man ist so alt, wie man sich fühlt

Die Industrie hat die Senioren schon lange entdeckt: unsere Oma holt sich ihren Weißdornsaft oder die ihrem Lebensalter anzuratenden Vitaminkapseln in der Apotheke und wir Enkel werden aufgefordert, auch unseren Pferden "in den besten Jahren" spezielle Ergänzungsfuttermittel oder gleich das komplette Seniorenmahl in die Krippe zu geben. In diesem Punkt haben sie unserer Oma wirklich was voraus, denn die Arme bekommt beim Einkaufen nur denselben Käse oder dasselbe Fleisch oder Brot wie ihr Urenkel, aber warten Sie mal ab, vielleicht ist ja morgen das Frühstücksmüsli "Beste Jahre 80 plus" endlich auch im Supermarkt für Ihre Oma erhältlich.

Ab welchem Alter ist ein Pferd überhaupt ein Senior?
Pferde durchlaufen, ebenso wie Menschen Lebenszyklen: Säuglingsalter, Kindheit, Jugend mit Pubertät, Erwachsensein bis hin zum Seniorenalter. Von der Geburt bis zur Pubertät ent-sprechen dabei einem Menschenjahr 6,5 Pferdejahre, dann verlangsamt sich diese Rate und sinkt bis zum 4. Lebensjahr auf das Verhältnis 2,5 : 1 Jahr. Ein Pferd von 22 Jahren entspricht in etwa einem 65-Jährigen, befände sich also unmittelbar vor dem Zeitpunkt wo das Leben - glaubt man Udo Jürgens - dann erst so richtig anfängt. Wer also in einem 15-Jährigen Pferd schon den Senior wittert, der hat vielleicht eine ähnliche Seniorenvorstellung wie die FN, die bekanntlich jeden Reiter über 40 zu den Senioren zählt.

Bevor wir uns aber in Vermutungen über Zeitpunkte zu denen irgendwelche Nahrungsänderungen unbedingt nötig sind (oder auch nicht), erschöpfen, sollten wir uns zunächst ganz andere Gedanken machen.

Alter bringt - bei Mensch wie Tier - nämlich in der Tat ein paar gesundheitliche Heraus-forderungen mit sich, mit denen es gilt, zukünftig auch noch gut zu leben. Verlust der Sehkraft, Arthritis oder Arthrosen, Abbau der Muskulatur, Funktionseinschränkung des Herz­Kreislauf-systems und des Sauerstoffumsatzes, kleine oder größere Leber- und Nierenleiden, eine erhöhte Empfindlichkeit des Darmtraktes sind nur einige Beispiele für Begleiterscheinungen im fortge-schrittenen Lebensalter. Ob wir das alles wirklich mit dem richtigen Seniorenmix aufhalten können? Oder lenkt uns das Seniorenmix vielleicht sogar davon ab, die nötige Aufmerksamkeit auf das Befinden unseres Pferdes zu verwenden? Fangen wir an, egal, ob wir unserem Senior Seniorenfutter oder lieblos Hafer füttern, wir sollten an die Basis denken: für jedes Futter wird ein intaktes Gebiss benötigt! Übrigens nicht unbedingt eine Altersfrage, es gibt auch dreijährige mit Wellengebissen, Haken, abgebrochenen Zähnen usw. aber nach unserer Erfahrung stellt die Zahngesundheit in der Fütterung älterer Pferde eine der größten Herausforderungen dar (und wird so oft vernachlässigt). Zweimalige jährliche Zahnkontrolle durch einen (bitte nicht selbster-nannten!) Spezialisten ist ein Muss für jedes alte Pferd und ganz besonders für Pferde mit früheren Zahnerkrankungen, wie z. B. Verlust eines Backenzahnes usw.. Wer sein Futter nicht ausreichend gut kauen kann bekommt Verdauungsprobleme, kann das angebotene Futter in Be­zug auf die Nährstoffe nicht optimal ausnutzen, produziert weniger Speichel usw.. Etliche Schlundverstopfungen oder Dickdarmanschoppungen bei alten Pferden rühren nur von Gebisserkrankungen her.

Wie sollte die Fütterung alter Pferde aussehen?

Sobald Ihr Pferd tatsächlich "AIterserscheinungen" zeigt, wie z.B. Gewichtsverlust, sollte nach dem Gebiss auch die Funktion von Leber und Nieren gründlich überprüft werden. Nicht selten haben ältere Pferde Erkrankungen der Leber oder der Nieren, die dann in der Tat eine wirklich spezielle Diät erforderlich machen. Calcium spielt hier z.B. eine große Rolle, sehr häufig haben ältere Pferde Nierensteine, weil sie zuviel Calcium erhielten bzw. noch erhalten. Das geschieht in der Praxis recht schnell, z.B. bei Verfütterung von Luzerne (weil das Heu im Stall vielleicht zu grob ist, um von dem Senior noch gerne gefressen zu werden) und mit Calcium angereichertem Fertigfutter, sowie Einsatz von speziellen Seniorenmineralien, die höher als normales Mineral-futter mit Mineralstoffen angereichert sind.

Auch für ein altes Pferd gilt nach wie vor dieselbe Regel: Heu ist die Basis der Pferdefütterung. Aber spätestens jetzt wird es Zeit, mit dem alten Irrglauben, Pferde bräuchten möglichst überständiges, grobes und verholztes Heu Schluss zu machen. Weit nach der Blüte ge-schnittenes Heu, das entsprechend verholzt und hartstengelig ist, ist für das alte Pferd keine geeignete Basis der Fütterung. Gutes blattreiches Wiesenheu, Mitte bis max. Ende der Blüte geerntet, zwar mit guter Struktur (Griff), aber dennoch blattreich und entsprechend gut ver-daulich, sowie von hygienisch einwandfreier Qualität ist für unseren Senior zu besorgen. Dasselbe Heu ist zwar auch für die jüngeren Sportpferde zu empfehlen, nur für den Senior ist es wirklich ein Muss. Und da die größte Menge seines Futters hoffentlich aus Heu besteht (nur damit können Sie die im Alter häufig herabgesetzte Darmmotorik in Schwung halten), haben Sie damit schon das Wichtigste für seine Gesundheit getan.

Wie sieht es mit Getreide aus?

Quetschhafer ist ein ausgezeichnetes Getreide für alte Pferde, Hafer ist im Vergleich zu anderen Getreiden relativ reich an essentiellen Aminosäuren (siehe Iwest-News EOUITANA 2003), was ihn für das ältere Pferd interessant macht. Gerste, Mais sollten spätestens dem alten Pferd wenn überhaupt, dann nur in aufgeschlossener Form (expandiert oder extrudiert) angeboten werden. Die Stärke des naturbelassenen Gersten- oder Maiskorns ist im Dünndarm jedes Pferdes schwer abbaubar und für ein altes Pferd bedeutet das natürlich noch eine weit größere Belastung als für einen Jungen. Mit den Getreiden ist es ohnehin so eine Sache bei den alten Pferden, denn Getreidefütterung bedeutet Zufuhr von Kohlenhydraten und das wiederum ruft neben vielen anderen Hormonen im Körper auch nach Insulin, um den Blutglucosespiegel stabil zu halten. Wie ältere Menschen auch (Alterszucker) weisen ältere Pferde gehäuft eine redu­zierte Kohlenhydratverträglichkeit auf, und aus diesem Grund sollte der Einsatz von einigen Getreiden oder auch von mit Zucker angereichertem Futter überdacht werden. Unterschiedliche Getreide führen zu unterschiedlicher Blutzuckerbildung. Die von Hoekstra, Newman, Kennedy u. A. durchgeführte Untersuchung ergab, dass Maisflocken (extrudiert) den Blutzucker weitaus höher ansteigen lassen, als ganzer Hafer. Maisflocken haben damit zwar einerseits den Vorteil, dass ihre Stärkeverdaulichkeit im Dünndarm der des Hafers entspricht, aber den Nachteil, dass sie gleichzeitig die hormonellen Regulationsmechanismen des Kohlenhydratstoffwechsels (u. A. Insulin) in weit höherem Maß belasten. Keine gute Lösung für alte Pferde und insbesondere eine Herausforderung für Pferde mit Hypophysentumoren (Cushing) oder peripherem Cushing, eine Erkrankung die bei alten Pferden - oft lange unerkannt, da nicht in allen Fällen das Symptom des überlangen Felles vorhanden sein muss - durchaus häufig auftritt.

Auch wenn Sie nach Kenntnis von Stärkeverdaulichkeit und Bildung von Blutzucker sich nun für die Fütterung von Quetschhafer entschieden haben, beachten Sie bitte: mehr als 200 g pro 100 kg Körpergewicht sollten Sie einem (wirklich, d. h. jenseits der 25 Jahre) alten Pferd pro Mahlzeit nicht mehr füttern. Öfter kleine Mengen zu füttern ist beim alten Pferd ratsamer, als die für junge Pferde gültige Obergrenze von 500 g pro 100 kg pro Mahlzeit beizubehalten.

Ältere Pferde brauchen doch mehr Eiweiß?

Es ist richtig, dass bei älteren Pferden der Bedarf an essentiellen Aminosäuren steigt, deshalb aber gleich die gesamte Fütterung im Eiweißgehalt hoch zu setzen, ist von fraglichem Nutzen, denn Eiweißabbau belastet wiederum sowohl Leber wie auch Nieren und diese inneren Organe sind beim alten Pferd häufig schon angeschlagen. Sinnvoller ist es da, neben dem qualitativ gutem Heu und gutem Hafer allenfalls noch eine geringe Menge an Sojaschrot als hochwertige Eiweißquelle zu füttern, oder auf ein Ergänzungsfuttermittel mit hohem Gehalt an essentiellen Aminosäuren auszuweichen. Da die Versorgung alter Pferde mit B-Vitaminen oft unzureichend ist, können Sie ihrem Senior auch gerne etwas Bierhefe füttern, die ebenfalls eiweißreich ist. Und im Sommer bei Weidegang ist die Eiweißversorgung ohnehin abgesichert.

Und welches Mineralfutter?

Auch wenn sich die Nährstoffansprüche eine wirklich alten Pferdes wieder denen eines Jungpferdes nähern (qualitativ gutes Eiweiß, bestverdauliches Heu usw.) gilt dies nicht für Calcium! Das junge Pferd benötigt Calcium, um sein Skelett zu mineralisieren, das alte Pferd nicht mehr. im Gegenteil, ein hohes Calciumangebot ist eine Herausforderung für seine Nieren, erhöht die Bildung von Blasensteinen und es gibt in der Wissenschaft neuere Hinweise darauf, dass sich durch überhöhte Calciumzufuhr auch bestehende Arthritis- und Arthrosebeschwerden verschlechtern, deshalb sollte die Gesamtmenge an Calcium pro Tag nicht höher als 0,3 % in der Gesamtfütterung liegen, das Calcium-Phosphorverhältnis bei 1,5 bis 2 : 1. Da die Phosphoraufnahme über den Darm beim alten Pferd häufig eingeschränkt ist, muss speziell bei Weidehaltung im Sommer und überwiegender Ernährung mit Heu, sogar eventuell Phosphor zugefüttert werden.

Lotus von Heike Kemmer mit 29 Jahren

Und wie sieht es mit den erhöhten Bedarf an Spurenelementen im Alter aus?

In einzelnen Veröffentlichungen wird von einem erhöhten Bedarf von Zink und Selen beim alten Pferd ausgegangen. Jeder, der ein wirklich altes Pferd hat, ist ohnehin gut beraten, regelmäßig Blutuntersuchungen durchführen zu lassen (schon wegen der Leberwerte, Glucose, Mineralien usw.) und dabei können dann auch problemlos die Zink- und Selenwerte bestimmt werden. Was einem alten Pferd sicherlich gut bekommt, ist eine erhöhte Versorgung mit Vitamin E, den B-Vitaminen und auch event. mit großen Mengen an Vitamin C.

Lotus als amtierender Europameister in seiner aktiven Zeit

Wie sieht es aus mit Zuckerrübenschnitzeln oder Öl für mein abgemagertes altes Pferd?

Rübenschnitzel sollten, ebenfalls wie Luzerne, bei alten Pferden mit größter Vorsicht gefüttert werden. Nierenerkrankungen beim Pferd sind (speziell im Frühstadium) nicht unbedingt leicht zu diagnostizieren, eine Nierenschädigung ist im Alter allerdings gehäuft anzunehmen und somit sollten Futtermittel mit erhöhtem Risiko für Steinbildungen vermieden werden. Zur Schonung der Nieren sollten auch überhöhte Eiweißgaben über das Krippenfutter vermieden (siehe oben), Öl dagegen kann alten Pferden durchaus erfolgreich gefüttert werden, bitte langsam anfüttern und nicht mehr als 1,5 Tassen pro Tag. Nur bei bestehenden Lebererkrankungen sollte von einer Ölfütterung Abstand genommen werden.

Ein gutes Parasitenbekämpfungsprogramm (durch regelmäßige gezielte Entwurmung inklusive hygienisches Weidemanagement) vom Fohlenalter an ist übrigens der beste Start in ein gesundes Seniorenalter: die meisten der im Alter auftretenden Darmprobleme sind nämlich die Folge von Darmwandschädigungen (Vernarbungen) aufgrund von weit zurückliegender Parasitenbelastung!

Und was ist, wenn das Gebiss meines Pferdes wirklich unzureichend ist und es kein Heu mehr fressen kann?

Ja, dann wird es in der Tat schwierig. In der Ausgabe Frühjahr 2004 schreibt uns ein kleiner Mann für den dies zutrifft. Mit einer gezielten Diät lebt er allerdings ein beschwerdefreies glück-liches Ponyleben. Hier ist der Besitzer und / oder Pfleger gefordert, mit einiger Mühe die Zubereitung des "Altensüppchens" und dessen mehrmalige Fütterung pro Tag auf sich zu nehmen. Wie dies zu gestalten ist, das sollte für den Einzelfall detailliert erarbeitet werden.

 

Zusammenfassung wichtiger Punkte

  • optimales Entwurmungsmanagement von frühester Jungend an, um den Verdauungstrakt vor Verletzungen zu schützen.

  • Zahngesundheit ist der wichtigste Faktor im Leben eines Pferdes, ganz besonders aber im Alter.

  • Heu ist zeitlebens für jedes Pferd die Basis der Fütterung, für das ältere Pferd gilt dies jedoch ganz besonders. Auf blattreiches, bis maximal Ende der Blüte geschnittenes Heu achten.

  • Getreide sollte zwar jedem Pferd nur maßvoll gefüttert werden, in fortgeschrittenem Alter sollte die Fütterung eher noch eingeschränkt werden und die Beachtung von Dünndarm-verdaulichkeit und der Blutzuckbildung bekommt noch mehr Bedeutung. Wenn Getreide gefüttert werden muss, häufige und kleine Portionen geben, einmalige oder zweimalige Fütterung jeweils größerer Mengen ist strikt zu vermeiden.

  • Eine gute Nährstoffergänzung mit Spurenelementen und Vitaminen (insbesondere B-Vitamine, Vit. E und auch Vit. C) ist ratsam, dabei gleichzeitig überhöhte Calciumzufuhr (z. B. bei Verwendung eines Mineralfutters mit hohem Calciumanteil) aber vermeiden.

  • Regelmäßige Gesundheitskontrolle, einschließlich Gebisskontrolle und Blutbild, zweimal im Jahr.

  • Regelmäßige Hufzubereitung beachten, sowie bei reiner Weidehaltung im Sommer eine eventuelle nötige Ergänzung mit Phosphor.

 

 

 

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