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Unfälle vermeiden - Richtiger Umgang
mit dem Pferd
Haben Sie schon einmal
eine Herde Pferde gesehen, friedlich grasend. Dann ein knatternder Auspuff
und in Sekundenbruchteilen rasen die Pferde davon. Oft kann unser Auge der
Geschwindigkeit der Bewegung gar nicht folgen.
In einem solchen
Augenblick muss uns immer zu Bewusstsein kommen, dass wir es mit dem
„Fluchttier Pferd“ zu tun haben. Noch eindrucksvoller sieht man es z.B. bei
Zebras, Gnus und anderen wildlebenden Tieren, die ebenfalls zu den
Fluchttieren gehören.
Fluchttier bedeutet: Das Pferd sucht sein Heil bei Gefahr zuallererst in der
Flucht.
Dafür ist es
ausgerüstet: Schnelle Bewegungen, Blitzstarts, Extreme Drehbeweglichkeit,
Hohe Spurtgeschwindigkeit, minimale Reaktionszeiten.
Falls Flucht nichts hilft oder nicht möglich ist verteidigt sich das Pferd
durch Tritte und Bisse. Ausschlagen mit den Hinterbeinen, Steigen. Auch hier
extrem kurze Reaktions- und Ausführungszeiten.
Wenn ich also mit
einem Pferd umgehe muss ich mir über diese Mechanismen im Klaren sein um
mich, andere und auch das Pferd selbst nicht zu gefährden.
Richtiger Umgang in
der Box /im Laufstall
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Vor Betreten der
Box das Pferd immer ansprechen und warten bis es sich zu mir dreht.
Siehe auch: "Wie man sein Pferd holt".
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In der Box nähert
man sich dem Pferd von Vorne oder seitlich vorne (nie von hinten, da das
Pferd sonst erschrecken und ausschlagen kann) und legt zuallererst das
Halfter an. Siehe auch: "Wie man sein Pferd
holt".
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Geputzt wird
möglichst an einem Putzplatz oder in der Stallgasse. Ideal wenn man das
Pferd von 2 Seiten anbinden kann (Bild folgt). Siehe auch: "Das
Pferd am Putzplatz".
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Auch hier, von
vorne dem Pferd nähern, mit ihm reden. Nicht hinten um das Pferd
Herumgehen.
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im Laufstall: Bei
der Annäherung das Pferd ansprechen, bis es den Kopf mir zuwendet, bzw.
in weitem Bogen um das Pferd gehen um mich ihm von vorne nähern zu
können, es ebenfalls ansprechen. Auch hier sofort Halfter anlegen um zu
verhindern, dass es evtl. doch noch mit den Artgenossen eine Spielerei
anfängt und uns mit einbezieht. Siehe auch: "Wie
man sein Pferd holt".
Gefahrloses
Putzen/Satteln (Siehe auch: "Das Pferd am
Putzplatz")
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Die Stallgasse
/Putzplatz muss frei von herumliegenden Gegenständen sein. Es
dürfen keine Mistgabeln, Besen etc
herumstehen
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Putzkasten,
sonstige Utensilien immer außerhalb der Reichweite des Pferdes abstellen
(bitte daran denken, ein Pferd bewegt sich auch hin und her. Den Radius
dieser Bewegung berücksichtigen).
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Entfernen Sie evtl. noch hängende Halfter am
Putzplatz in der Reichweite Ihres Pferdes. Ihr Pferd könnte sonst
hineintreten. Und Halfter herunterwerfen die ein allgemein übliches
Hobby der Pferde.
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Beim Putzen,
seitlich vom Pferd und niemals hinter der Hinterhand stehen.
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Hufeauskratzen:
Seitlich vom Pferd stehen, eigene Füße nie dort platzieren, wo nach dem
Aufhalten der Huf abgesetzt wird. Gerade bei der Hinterhand (Bild folgt)
das Hinterbein von vorne fassen. Bei der Vorhand das Bein von hinten. (Bild
folgt)
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Beim Berühren des
Pferdes um den Huf hochzuheben immer an der Schulter oder an der Kruppe
beginnen und das Bein hinab streichen.
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Zum Hufe fetten
oder waschen nie hinknien, da ich nicht mehr schnell genug hochkomme
wenn das Pferd sich bewegt. Und ich so in Gefahr komme getreten zu
werden. (Bild folgt)
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Zum Festbinden des
Pferdes immer den Panikknoten und einen Strick mit Panikhaken
verwenden (Bild folgt). Kurz festbinden, damit weder das Pferd noch der Reiter
im Strick hängen bleibt.
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Am Pferd: Keine
hektischen Bewegungen, kein Herumtoben in der Nähe, kein Rennen durch
Stallgassen oder herumfuchteln mit Gerten, Tüchern und sonstigen
Gegenständen. (Bild folgt)
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Führen: Immer
neben dem Pferd zwischen Kopf und Schulter mit „durchhängendem „ Strick
(siehe auch Extra Artikel Pferde führen)

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mit dem Sattel
ebenfalls von Vorne seitwärts nähern. Grundsätzlich aus dem
Gefahrenbereich der Hinterhand halten (Bild folgt)
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Auf dem Weg zur
Halle/Reitplatz/aus dem Stall: Immer Bügel hochstecken, keine Hilfszügel
einhängen, den Zügel so in der Hand behalten, dass ich oder das Pferd
nicht hineintreten kann (Sturzgefahr/Panikgefahr) (Bild folgt)
IN DER HALLE
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Immer vor Betreten
„Tor frei“ rufen um den anderen Reitern zu signalisieren das ich in die
Halle möchte. Erst nach der Antwort „Tor ist frei“ die Halle betreten
(Sie möchten ja nicht von einem Pferd im starken Galopp überrannt werden
oder?). Dasselbe gilt natürlich bei Verlassen der Halle oder wenn ich am
Hufschlag stehe um z.B. die Jacke oder den Pullover abzulegen. Dann
heißt es Bande frei.
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Zum Aufsteigen,
oder zum verschnallen der Hilfszügel, immer in die Mitte eines Zirkels
stellen, dort stört man andere Reiter am wenigsten. Sollte das Pferd
doch erschrecken wird man nicht gleich gegen die Bande gedrückt.
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Benutzen Sie ruhig
eine Aufsstiegshilfe: Das Pferd, der Sattel, ihr Rücken und ihre Gelenke
danken es ihnen
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Beachten Sie die
Bahnregeln (FN/Anhang). Wenn 2 Reiter nicht wissen wann sie einander
ausweichen müssen, kann so manch schwerer Unfall mit gemeinsamen Stürzen
entstehen. Durch knappes Aneinader vorbei reiten gab es schon so manche
zertrümmerte Kniescheibe!
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Halten Sie mind. 2
m, besser noch 3 m Abstand von andren Pferden. Auch Pferde haben
ungeliebte Artgenossen nach denen sie schlagen könnten. Und oft ist dann
Ihr Bein oder Körper im Weg. Ein Pferdetritt kann mehrere Tonnen
Auftreffgewicht haben!
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Kein Longieren am
Halfter. Sie haben keinerlei Kontrolle über ihr Pferd wenn es erschrickt
oder beschließt einem anderen Pferd zu folgen. Ein solches Verhalten ist
extrem risikoreich! Nicht nur dass ihnen ihr Pferd abhanden kommt. Es
schleift dann auch noch eine Longe hinter sich her in die Sie sich, ihr
Pferd oder aber ein anderes Pferd mit Reiter verfangen können. Durch
Hinterherschleifen oder ruckartige Stürze kann es zu Todesfällen kommen
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Wickeln Sie sich
nie Zügel, Longe oder Strick um die Hand. Haben sie schon mal einen
verknoteten Strick gesehen haben, an dem ein in Panik geratenes Pferd
hing? Dann können sie sich vorstellen, dass von Ihrer Hand nicht viel
übrig bleibt wenn das Pferd richtig anzieht. Rennt das Pferd gar
davon werden Sie mitgeschleift! Dies geht nicht so aus wie in den
Westernfilmen, wo nach 10 m der Cowboy wieder aufsteht und sich nur den
Staub abklopft. Brüche bis hin zu schwersten inneren Verletzungen oft
mit Todesfolge sind das Ergebnis.
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Nie mit offener Jacke oder Weste reiten. Das
Flattern könnte Ihr oder andere Pferde erschrecken.
Ausrüstung des
Reiters
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Die meisten
Sturzverletzungen vom Pferd sind Kopfverletzungen. Tragen Sie einen Helm
der den gültigen DIN Normen entspricht. Sie können sich damit evtl.
Schädelfrakturen oder Schädel/Hirntraumatas ersparen. Nach solchen
Traumata müssen sie oft wieder wie ein Kleinkind lernen zu gehen, zu
essen usw. Es soll ein 3 Punkthelm ohne Kinnschale sein. Und ziehen Sie
die Riemen zu, ein durchhängender Riemen lässt den Helm bei einem Sturz
wegfliegen! Wenn Sie Pech haben fällt er Ihnen auf die Nase bricht das
Nasenbein, oder er rutscht ins Genick und ruft
Halswirbelsäulenverletzungen hervor!
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Tragen Sie Schuhe
die
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mind. über die
Knöchel gehen
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einen Absatz
haben, damit der Fuß nicht durch den Steigbügel rutscht
-
Kein grobes
Profil, damit der Schuh leicht aus dem Bügel kommt, falls ich doch
mal mitgeschleift werde.
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keine Schnürsenkel haben. Darin bleibt oft ein
Steigbügel hängen. Bei Chaps die über die kompletten Schnürsenkel
gehen besteht diese Gefahr nicht.
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keine breiten
Schuhe mit denen ich mich schon in den Bügel hineinzwängen muss,
komm ich dann auch im Notfall nicht mehr heraus. (Bild folgt)
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Tragen Sie
Handschuhe um Verletzungen an der Hand z.B. durch das Durchrutschen der
Zügel zu vermeiden. Beim Longieren grundsätzlich Handschuhe tragen. Wenn
ihnen ein Pferd die Longe durch die Hand zieht, haben sie eine einer
Brandwunde ähnliche Verletzung!
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Beim Springen
sollte man sich durchringen und eine Sturzweste tragen. Sie sind zwar
nicht schön schützen aber hervorragend vor Wirbelsäulenverletzungen
(Bild folgt).
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Im Gelände
grundsätzlich Helm und möglichst Sicherheitsweste tragen. Es reicht
schon während man sich unterhält und unter einem Baum durchzureiten. Man
ist abgelenkt und schätzt die Asthöhe nicht richtig ein. Man knallt mit
dem Kopf gegen den Ast, oder man skalpiert sich halb weil man mit dem
Haar im Geäst hängen bleibt
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Das man nicht mit
Shorts, ausgestellten Jeans oder ähnlichem reitet sollte
selbstverständlich sein.
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Bei langen oder längeren Haaren sollte man diese
Grundsätzlich "bändigen". Machen Sie sich einen Zopf, so können sich die
Haare nicht in Ästen oder ähnlichem verfangen.
Ausrüstung des Pferdes
Auch die korrekte Ausrüstung des Pferdes
hilft Unfälle zu vermeiden.
Zaum und Sattelzeug muss korrekt
angepasst sein (siehe die entsprechenden Artikel
Der Sattel ).
Ein drückender Sattel, ein scheuerndes
Zaumzeug oder ein klemmendes Gebiss können beim Pferd
Widersetzlichkeiten hervorrufen. Diese Widersetzlichkeiten können von
einfachem "nicht gehen" bis zu Steigen, Bocken, Hinwerfen gehen.
Steigbügelriemen müssen an den genähten Stellen immer wieder
kontrolliert werden. Die Nähte können aufgehen und somit reißt der
Steigbügel ab.
Der Sattelgurt darf nicht
zu lang oder zu kurz gewählt werden, da sonst der Sattel verrutscht. Im
schlimmsten Fall stürzt der Reiter samt Sattel unter den Pferdebauch.
Verschiebt sich der Sattel, kann Bocken, Durchgehen und/oder Steigen
hervorgerufen werden.
Auch hier auf Risse, schlecht genähte
Stellen achten.
Beim Zügel ebenfalls die Nähte
kontrollieren.
Die Sturzfeder an der der Bügel
befestigt ist, sollte immer gut geölt und offen sein. Bei einigen Marken
gibt es keine Sturzfeder mehr und es kann nichts mehr geschlossen
werden.
Die Hilfszügel auf evtl. offene
Nähte kontrollieren. Auch die Hilfszügel müssen am Pferd angepasst sein.
Bei zu langem Hilfszügel besteht die Gefahr des darauf tretens wenn der
Kopf tief kommt. Bei zu kurzem Hilfszügel besteht die Gefahr des
Einengens des Halses und dadurch irgendwann Widersetzlichkeit des
Pferdes. Ist ja auch verständlich
Bitte auch auf eine nicht rutschende
Satteldecke wert legen!!
Die Steigbügel müssen schwer sein,
damit sie nicht herumfliegen oder am Fuß pendeln. Auf der sicheren Seite
ist man mit sog. Sicherheitsbügeln in denen ein Hängen bleiben nicht
mehr möglich ist.
Das Gebiss darf nicht
ausgeschlagen, scharfkantig oder eingedellt sein. Durch die Schmerzen
die es dem Pferd dann zufügt wird dieses zu Durchgehen, Bocken, Steigen
erzogen.
Auch der Beschlag/das Ausschneiden muss
kontrolliert und regelmäßig erneuert werden. Möchten Sie mit drückenden
Schuhen laufen? Würden Sie sich da nicht auch irgendwann wehren,
insbesondere wenn man Ihnen dann noch Leistung abverlangt (und glauben
Sie ja nicht ein 1 stunden Ausritt verlangt keine Leistung vom Pferd!).
Zähne immer wieder vom Tierarzt
kontrollieren lassen (siehe Artikel Grundpflege).
Auch hier: Stellen Sie sich vor Sie haben Zahnschmerzen oder ein Zahn
reibt ihnen ständig die Mundschleimhäute auf. Und dann hätten Sie noch
ein Metallgebiss im Mund.
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